RAI Champion 2015: Bernhard Steinberger

Anfang September krönte X-BIONIC® Athlet Bernhard Steinberger seine Karriere mit dem Europameistertitel im Ultracycling: er gewann eines der schwersten Marathonrennen im Alleingang – das Race Around Ireland (RAI). Der Oberpfälzer benötigte für das knapp 2150 Kilometer lange Rennen weniger als 100 Stunden und stellte damit zugleich einen neuen deutschen Rekord auf.

Der Lohn der Mühe: Bernhard gewinnt das RAI und ist zugleich Europameister!
Der Lohn der Mühe: Bernhard gewinnt das RAI 2015 und ist zugleich Europameister!

Das RAI gehört zu den härtesten Rennen in der Ultracycling Szene und fand in diesem Jahr zum siebten Mal statt. Dabei umrunden die Teilnehmer die grüne Insel nonstop, auch Pausen zählen bei der Gesamtzeit. Somit versuchen die Topfahrer sowenig wie möglich anzuhalten und die Schlafphasen auf ein Minimum zu reduzieren. Bernhard schlief bei der diesjährigen Ausgabe lediglich 93 Minuten und konnte sich vorzeitig den Sieg sichern.

Wie der Ultracycling-Spezialist das Rennen erlebt hat, erzählt er uns im folgenden Interview, viel Spass beim Lesen!

Wie hast Du das extrem schwere Rennen verdaut?

Einmal gegen den Uhrzeigersinn: Das RAI umrundet jährlich die wunderschöne Insel
Einmal gegen den Uhrzeigersinn: Das RAI umrundet jährlich die wunderschöne Insel

Sehr gut. Vom Kopf her war ich den Tag darauf schon wieder im „Rennfieber“. Körperlich hat es ein wenig länger gedauert. Die erste Trainingseinheit habe ich bereits am fünften Tag nach dem Zieleinlauf absolviert. Jetzt bin ich wieder im lockeren Training und genieße einfach wieder die Bewegung. Neue sportliche Ziele „spuken“ natürlich schon wieder in meinem Kopf herum.

Was war der schönste/schwierigste Moment während der knapp 100 Stunden Rennzeit?

Das schönste neben der wunderbaren Landschaft in Irland, war mein 8-köpfiges Betreuerteam. Sie motivierten mich, linderten meine Beschwerden, hielten mich bei Laune und waren jede Sekunde im Rennen um mich besorgt und wir hatten eine Menge Spass im Rennen. Obwohl einige neue Betreuer dabei waren, lief alles wirklich rund wie wenn sie das schon ewig machen würden. Einige meiner „alten“ Betreuer waren beruflich oder familiär verhindert, sie machen das ja auch “ehrenamtlich”.

Als ich dann im Ziel jeden meiner Betreuer kurz in die Arme schließen konnte, ja das war ein sehr bewegender Moment – Ja, WIR haben die Insel Ireland gerockt! Mein Team ist der größte Bestandteil meines Erfolges! Nach über vier Tagen konnte ich im Ziel dann endlich mein GUINNESS (Bier) genießen.

Der schwierigste Moment im Rennen begann, als ich 80 Kilometer vor dem Ziel hörte dass ich soweit in Führung lag, dass mich der Zweitplatzierte nicht mehr einholen konnte. Da werden die Kilometer ganz schön lange und es geht zäh voran. Es ist schwer sich nochmal zu motivieren und zu fokussieren wenn das Ziel so nah ist und man den Sieg schon förmlich riecht.

Weit und breit kein Gegner in Sicht: ohne die moralische Unterstützung seines Teams wäre das Rennen nicht schaffbar.
Weit und breit kein Gegner in Sicht: ohne die moralische Unterstützung seines Teams wäre das Rennen nicht schaffbar.

Wie hast Du Dich auf die lange Belastung neben Deinem Vollzeitob vorbereitet?

Mit langen Radeinheiten bis zu 12 Stunden am Wochenende. Auch im Fitness-Studio habe ich trainiert, vor allem Bauch- und Rückenmuskulatur wurden hier gestärkt. Das Stabi-Training kam also nicht zu kurz. Dazu habe ich noch alternative Sportarten, wie Laufen und Schwimmen ins Training integriert. Ich wollte so viel Spaß im Training haben wie es nur ging. Es war oft grenzwertig zeitlich alles unter einen Hut zu bringen. Vollzeitjob, trainieren, vieles organisieren für das Race. Und die Erholung sollte auch noch irgendwie darin enthalten sein. Die kam leider zu kurz.

Stabi-Training

Wieviel Stunden pro Woche muss man trainieren, um so ein Rennen zu schaffen?

Ich glaube nicht das die Stunden ausschlaggebend sind um das Rennen in der Karenzzeit erfolgreich zu finishen. Es gehören ein paar Kerneinheiten dazu und man muss man sich natürlich auch richtig quälen können. Das lange lockere dahinrollen und stur nur Kilometer sammeln ist sicher nicht der Schlüssel zum Erfolg dafür. Mit nur 15 Stunden Training pro Woche sollte es machbar sein das Rennen erfolgreich zu finishen. Dabei ist die Qualität und nicht Quantität ist entscheidend.

X-BIONIC ist das Beste, was ich je getragen habe an Sportbekleidung.

Hast Du auch das Nicht- bzw. Wenigschlafen trainiert?

Nicht wirklich. Ich arbeite zwar im Schichtbetrieb, aber wenig bzw. nicht schlafen kann man nicht trainieren. In der Vergangenheit haben das schon einige erfolgreiche Sportler versucht und sind zu der Erkenntnis gekommen, dass man „Schlafentzug“ nicht trainieren kann. Es mindert höchstens die Regenerationszeit zwischen den Trainingseinheiten und das kann ja nicht Sinn und Zweck sein. Im Rennen kommt dann einfach alles zusammen. Man kann sich mental darauf einstellen, das es Höhen und Tiefen geben wird. Und ein gutes Team macht das ausschlaggebende dann aus. Ich habe während diesen vier Tagen beim Race Around Ireland nur 93 Minuten geschlafen.

Auch bei Alltäglichem wie Zähneputzen kann ein unnötiger Stop vermieden werden.
Auch bei Alltäglichem wie Zähneputzen kann ein unnötiger Stop vermieden werden.

Wie hast Du Dich während dem Rennen ernährt, hast Du das vorher trainiert?

Während des Rennens werde ich von meinen Betreuern mit Sportnahrungsprodukten wie zum Beispiel Gels, Riegeln, Energie Shots, Iso- und Proteingetränken versorgt. Da die Psyche aber eine ganz wichtige Rolle spielt esse ich dazwischen gerne Gummibärchen, Salzstangen, Essiggurken, Kartoffeln, Wurstsemmeln und trinke Softdrinks. Es wird im Training alles ausgetestet, ich kann aber sagen, ich bin quasi ein Allesfresser 🙂

Unendlich viele Kalorien verbrennen die RAI Athleten unterwegs. Bernhard mag es auch gern herzhaft zwischendurch.
Unendlich viele Kalorien verbrennen die RAI Athleten unterwegs. Bernhard mag es auch gern herzhaft zwischendurch.

Wie bereitest Du Deine Ausrüstung vor? Was musst Du speziell bei der Bekleidung beachten?

Meine Ausrüstung wird ausgiebig im Training getestet. Beim Wettkampf gibt es keine Experimente. Im Rennen wird nur bewährtes Material gefahren. Es muss alles angenehm, praktisch, sinnvoll sein und auf das Gewicht wird natürlich auch geachtet. Wenn man das hochrechnet, wenn man Zuviel unnötiges Gewicht mitschleppt und das auf diese Distanz. Kann man sehr schnell Energie sparen bei der richtigen Ausrüstungsauswahl. Bei der Bekleidung darf mich keine Naht oder sonst was stören, das wäre bei Ultracycling-Rennen fatal. Jedes Detail muss sich dem Körper perfekt anschmiegen. Es soll wie eine zweite Haut sein. Zu viel an Bekleidung ist einengend, man kann sich dann nicht mehr richtig bewegen.

Wie ist Deine bisherige Erfahrung mit X-BIONIC-Bekleidung allgemein und speziell auch bei den Langdistanzen, die Du regelmässig absolvierst?

X-BIONIC ist das Beste, was ich je getragen habe an Sportbekleidung. Es sind viele kleine Bausteine, die zum Erfolg führen im Sport. Genauso ist es auch bei X-BIONIC-Bekleidung. Jedes Detail ist ausgefeilt und ausgereift. Die aerodynamischen Eigenschaften und die natürliche Thermoregulation wird unterstützt. Wenn mir zu heiß ist, werde ich gekühlt. Die Nächte waren in Irland mit vier bis acht Grad recht frisch. Ich musste mich aber nicht viel umkleiden. Konnte somit Zeit sparen und meinen Renn-Rhythmus fortsetzen. Was mich sehr fasziniert, ist das die X-BIONIC Kleidung solange haltbar und funktionsfähig ist. Es gibt  Radhosen, dich ich schon seit fünf Jahren im Einsatz habe und sich am Körper genau so anfühlen wie beim ersten Tragen.

Was ist Dein Lieblingsteil von X-BIONIC, worauf würdest Du nie verzichten?

Mein Lieblingsteil von X-BIONIC, sorry auf ein Teil kann ich mich da gar nicht mehr beschränken. Die X-SOCKS Silver, die Dreiviertel-Rad Hose Bib Tight BT 2.0 Endurance Pad, das Powershirt und der Helmet unter meinem Fahrradhelm trage ich diesen immer wenn es ein bisschen kühler ist. Es gibt keine Radeinheit, wo ich nicht mindestens eines dieser Teile trage.

Nie ohne X-BIONIC® unterwegs: der Ultracycling-Spezialist Bernhard Steinberger.
Nie ohne X-BIONIC® unterwegs: der Ultracycling-Spezialist Bernhard Steinberger.

Wie sieht Deine Planung für die Zukunft aus, willst Du im nächsten Jahr Deinen Titel in Irland verteidigen?

Wo nächstes Jahr die Europameisterschaft im Ultraycling stattfindet steht noch nicht fest. Eine Rückkehr auf die Grüne Insel ist sicher nicht ausgeschlossen. Irland ist die schönste Insel auf der ich je war. Schon landschaftlich reizt mich das Rennen ungemein. Das Race Around Ireland (RAI) ist Wetter-und Straßentechnisch eine Grenzbelastung für Material und Körper. In Zukunft werde ich natürlich wieder hohe Ziele anstreben. Die mich dann sehr motivieren um mein Bestes zu geben.

Ist das RAAM (Race Across America) für Dich ein Thema für die Zukunft?

Natürlich. Es ist der Grund für all das. Ein Traum. Das Ziel schlecht hin. Es ist vor allem eine finanzielle Frage das RAAM kostet 30.000 bis 50.000 Euro. Und wenn ich beim RAAM starten werde, dann möchte ich nicht nur „mitrollen“.

Race Across America (RAAM)
Der Champion und sein Team: darauf kann er sich verlassen!
Der Champion und sein Team: darauf kann er sich verlassen!

Welchen Tipp kannst Du Neueinsteigern geben, die auch gern solche Marathondistanzen angehen wollen?

Eine Menge Spaß sollte im Großteil jeden Trainings vorhanden sein! Besonders wichtig sind Geduld und kleine Ziele setzen sowohl im Training, als auch im Wettkampf. Kleine Verletzungen sollten richtig und ausgiebig auskuriert werden. Tägliches dehnen ist sehr wichtig und vor allem die Regenerationszeiten sollte man nicht vernachlässigen. Erst in den Pausen erholt sich der Körper und wird dadurch schneller und stärker. Im Training sollte man beachten: Weniger ist oft mehr! Und niemals mit der „Brech-Stange“ versuchen, denn der Körper wird sich früher oder später dafür rächen.

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Zahlen und Fakten zum RAI 2015
  • Streckenlänge: 2.143,7 Kilometer
  • Höhenmeter: 22.655
  • Kategorien in denen gestartet werden kann: * Solo (Männer und Frauen) * Offene Bikeklasse (Männer und Frauen) [Elliptische Fahrräder, Liegeräder, etc] * Tandem (Männer, Frauen, Mixed) * 2er Team Team (Männer, Frauen, Mixed) * 4er Team (Männer, Frauen, Mixed) * 8er Team (Männer, Frauen, Mixed)
  • Siegerzeit Bernhard Steinberger: 98 Stunden 22 Minuten 16 Sekunden / Das ist neuer Deutscher Streckenrekord und die zweitschnellste Zeit die jemals gefahren wurde beim RAI -> Race Around Ireland Das härteste Radrennen Europas! Ultracycling UMCA-Europameister / Europameister der „Lang-Strecken-Radfahrer“ 2015
  • Bernhards Schlafdauer während dieser Zeit im Rennen betrug 93 Minuten. Zudem gewann er den Sonderpreis „Armada Award“ für die schnellste Zeit zwischen den Zeitstationen 3 und 4, weil er auch hier am schnellsten unterwegs war.
  • Links:

RAI 2015

English version on page [1] / Englische Version auf Seite [1]

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  1. […] this event in Grenchen, we also invited a special guest: European Ultracycling Champion and Race around Ireland winner Bernhard Steinberger talked about his great experiences at the green island last year. He showed some […]